Seit der anspruchsvollen (= hohe Ansprüche an mein Buchinhaltsgedächtnis stellenden) Klausur vorgestern ist die Sache hier quasi abgeschlossen. Insbesondere nach dem heutigen Abschluss”seminar” mit hochoffiziellen Partyfotos vom ISS und lecker Kuchen sind meine produktiven Tage in Schweden gezählt. Noch eine kleine mündliche Prüfung am Montag, in der ich mein Wissen über gute und schlechte Wissenschaft dankenswerterweise mündlich unter Beweis stellen kann, da ich während der offiziellen Klausur schon im Flugzeug sitzen werde.
Die Umzugskartons stehen schon herum, werden aber noch nicht gefüllt, das mache ich dann ab übermorgen oder so. Vorher schreibe ich noch ein paar Mails und eine Karte, räume mein Zimmer auf und schmeiße Zeug weg. Ich könnte gar mal wieder ein Buch lesen! (Maris Geschenk an mich, “Bröderna Lejonhjärta” (Die Brüder Löwenherz), stehen nach wie vor ungelesen im Regal, und meine Büchereikarte ging heute zurück - als Einziges ausgeliehen: “Fachliteratur” (Kinderbücher) über Wikinger zu meinem Schwedischvortrag, damals im Oktober.)
Mir scheint, die meisten anderen haben vor, sich hier noch mindestens den Juni zu geben. Ich hingegen kann mich für den Gedanken nicht erwärmen; ich habe Stockholm jetzt ausreichend verinnerlicht. Mich durch Schweden zu campen, entspricht ebenfalls nicht meinen Vorstellungen. Das Zelten auf Gotland war schön, aber auch recht anstrengend, da so elementare Dinge wie ein Stuhl mit Lehne und Keilkissen oder nicht-klamme Bettwäsche mir eigentlich unverzichtbar sind.
Wo ich das Keilkissen erwähne: Ich freue mich darauf, im Juni das Metall in meinem Rücken loszuwerden. Vielleicht sehen meine Rückenmuskeln dann endlich ein, dass es doch einmal den Versuch wert wäre, sich nach dem Hinlegen ohne langes Zaudern zu entspannen, und nicht erst nach drei bis fünf Minuten. Das ist immer noch ein wenig schmerzhaft.
Im ganzen wird mein Juni sowieso geprägt sein von Arztbesuchen (nach einem knappen Jahr ohne!). Mal besuche ich sie, mal dürfen sie auch zu mir kommen, wenn ich dann in der BGU liege. Man hat ja sonst nichts zu tun, da kann man sich auch warten lassen, wie ein Flugzeug oder so. Im Juli will ich dann wieder voll einsatzbereit sein für mein Praktikum.
Ach so, wegen dem Stress: Das ist noch so ne Sache, ich hab ja hier quasi durchgearbeitet - aber ich hab es doch insgesamt genossen, unter einem gewissen Zeitdruck zu stehen. Anders bekomme ich keine Resultate zustande. Ich ziehe es weitaus vor, produktiv zu sein, anstatt unproduktiv - und da schließt sich der Kreis, ich mag das, was mich zur Produktivität treibt, weil ich eben die Produktivität selbst hoch schätze. Hingegen wäre ich im nächsten Monat hier in einem Maße unproduktiv, dass sich mir die Haare sträuben.
Ich bin fast sicher, dass die meisten das nicht nachvollziehen können, aber so denke ich heuer.